Donnerstag, 1. April 2010

Hymne auf die Scheibenbremse

Die Saison 2010 steht vor der Tür, jetzt wird es Zeit, dass auch ich wieder Hand an meine BMW-Sportenduro anlege... Wie ich bereits in den Foren verkündet habe, bin ich mit der Trommelbremse nicht mehr ganz zufrieden. Ich hatte im letzten Jahr mehrere Bremsbacken und HPN-Bremsseile verschlissen und musste feststellen: Wenn`s drauf ankommt, wenig Wirkung.

Für jedes Rad hatte ich schon einen eigenen Bremsbacken, um den Verschleiß zu minimieren, jedoch war es beim Bremsseil nicht möglich, dieses in der schlammreichen Saison 2009 dauerhaft gängig zu halten. Oft konnte ich nach einer halben bis dreiviertel Stunde schon feststellen, dass das Bremsseil wieder hing, da mein Bremshebel nicht mehr in die Grundposition zurückging. Auch der Verbrauch stieg natürlich mit der schleifenden Bremse, was mich zu einer häufigen Kontrolle des Benzinstandes zwang.



Da ich auf meiner Expeditionskuh schon eine Scheibenbremsanlage montiert habe, kenne ich wohl die Vor- und Nachteile. Eine Bremsanlage, die gut funktioniert, ist mir persönlich lieber als eine Trommelbremse. Letztere ist zwar leichter, funktioniert jedoch oft nur schlecht und ist durch den hohen Verschleiß genau so teuer wie die Scheibenbremse, die in Sand und Schlamm die Bremsbeläge nur so frisst.

Ich habe versucht, das Bremsseil vaselinetechnisch und mit einem Gummi an beiden Seiten der Seele zu dichten und zu schützen, doch trotz aller Bemühungen mussten wir das zugekaufte Spezialbremsseil alle zwei Rennen wechseln. Nach dem ersten Einsatz konnte man es immer noch mal in Gang setzen, aber nach dem zweiten Mal fahren war es dann völlig am Ende und fest mit dem Mantel vereinigt. Künftig wird meine Hauptaufgabe nach dem Betrieb die Kontrolle der Bremsbeläge und des Bremsflüssigkeitsstandes sein. Sonst hatte ich noch nach jedem Einsatz die Trommel und die Backen reinigen müssen.

Der Umbau ist zwar nicht so billig, da ich für dieses Projekt andere Felgen benötige und ich mit den alten trommelgebremsten 18 Zöllern eigentlich zufrieden war, aber so ist es eben. Ich hatte während der Aufbauphase viele nette Leidensgenossen, die mir immer wieder zu einer Verwirklichung der Light-BMW mit Scheibenbremse geraten hatten, jedoch ist es wie im richtigen Leben – und jeder muss einfach selbst seine Erfahrungen machen.



Da ich auf keinen Fall die vergleichbar seltenen und teuren 18“ Felgenringe mit 40 Speichen wollte, konnte ich nicht auf die Sportfelgen der Edeltuner HPN oder auf modifizierte originale Radnabe zurückgreifen. Da war dann schon das erste große Problem: Es musste eine Radnabe her, am besten noch so beschaffen, dass man einen Standardfelgenring – wie er bei den Sportenduros verbaut ist – fahren kann.
Den Rest konnte ich mit gebrauchten BMW- und KTM- Teilen verwirklichen.

Für einen solchen Umbau ist schon ein bisschen Geschick gefragt. Erst wollte ich den kurzen Endantrieb des 800er 2Ventilers, der schon auf der Kuh verbaut ist, für den Scheibenbremsumbau abändern und einen Gehäusedeckel des Endantriebs der älteren BMW K -Generationen adaptieren. Die Bremszange und Bremsscheibe hatte ich schon aus unserem Gebrauchtteillager entnommen. Als Bremspumpe soll eine Fußpumpe von Brembo aus einer 08er KTM mit integriertem Bremsflüssigkeitsbehälter ihren Dienst verrichten. Der Anbau der Bremspumpe ist nicht so dramatisch, man muss sich nur den Hebel und Winkel des Bremshebels gut überlegen. Je näher man mit der Bremspumpe an den Drehpunkt des Fußbremshebels kommt, desto direkter wird die Bremswirkung – und umgekehrt. Die Bremsleitung stammt wie immer aus dem SM-Brakes-Programm, hier ist die Länge ziemlich leicht zu ermitteln, gut ist ein gekröpfter Ringanschluss. Der Austausch des Gehäusedeckels hätte noch ein wenig Energie gefordert, da der erste Kraftakt schon das Trennen des Gehäusedeckels vom Endantrieb wäre.
Doch ich hatte mich entschieden, den Endantrieb nicht zu zerreißen und lieber durch den wesentlich kürzeren 37/11 Winkeltrieb der moderneren 850er 4 Ventil BMW GS zu ersetzen.



Das einzige Problem, das bis dato noch nicht behoben ist, stellt der starke Verschleiß der Bremsbeläge dar, dem ich, wie schon die österreichische Enduroschmiede, mit vollen Bremsscheiben entgegentreten möchte. Jedoch die Bremsscheiben ohne die Löcher herstellen zu lassen, erweist sich als recht teuer und muss deshalb erst während oder nach dieser Saison erledigt werden. Ich hoffe, dass ich anderen interessierten Schraubern mit dieser Hymne auf die Scheibenbremse weiterhelfen kann.

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